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Engelbert Humperdinck (Biographie)
 

E.H. Vater, grau, Web

Gustav Humperdinck,
der Vater Engelbert Humperdincks


Der Komponist Engelbert Humperdinck wurde am 01. September 1854 in Siegburg als Sohn des Gymnasialoberlehrers Gustav und seiner Frau Gertrud Humperdinck geboren. Sein Geburtshaus, das heutige Stadtmuseum, diente zu jener Zeit als Progymnasium, in dem Gustav Humperdinck seine Dienstwohnung hatte. Engelbert besuchte die Schule in Siegburg und Paderborn, wo er 1871 sein Abitur ablegte.

Nach einer anfänglichen Bauzeichner- und Architektenausbildung entschied er sich für ein Musikstudium am Kölner Konservatorium ab 1872. Dort erhielt er u.a. bei Ferdinand Hiller Unterricht. 1876 gewann Humperdinck den renommierten Frankfurter Mozartpreis, der ihm eine Fortsetzung der Ausbildung bis 1879

E.H. Mutter, grau, Web

Gertrud Humperdinck,
geb. Hartmann,
Mutter Engelbert Humperdincks

an der Königlichen Musikschule in München bei Gabriel Josef Rheinberger und (privat) bei Franz Lachner ermöglichte. Als Mendelssohn-Preisträger nutzte er seinen Italien-Aufenthalt 1880, um Bekanntschaft mit seinem verehrten Vorbild Richard Wagner zu schließen. Diese Begegnung war folgenreich für Humperdincks weiteren Lebensweg: Wagner berief ihn zum Assistenten bei der Vorbereitung und Einstudierung der Uraufführung seines „Parsifal“ 1882 in Bayreuth: Humperdinck hatte als „Parsifal-Gehilfe“ unter anderem die Aufgabe, die Partitur in Reinschrift zu kopieren, Chöre zusammenzustellen und bei der Gesamteinstudierung

E.H. jung, grau, Web

Der junge Engelbert Humperdinck

des Werks tatkräftig mitzuwirken.

Als Meyerbeer-Preisträger bereiste er 1882/83 Frankreich, Spanien und Marokko. Nach einer Beschäftigung als „musikalischer Gesellschafter“ beim „Kanonenkönig“ Alfred Krupp in Essen nahm Humperdinck in den Jahren 1885 bis 1887 eine umfangreiche Lehrtätigkeit an den Konservatorien in Barcelona und Köln auf. Ab 1888 arbeitete er als Lektor beim Schott-Musikverlag in Mainz – in dieser Funktion entdeckte er das Liedschaffen Hugo Wolfs, setzte dessen Veröffentlichung durch und begründete damit Wolfs Weltruhm –, ab 1890 als Lehrer am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt und Kritiker der Frankfurter Zeitung. Richard Wagners Sohn Siegfried wurde 1889 Schüler Humperdincks.

1892 heiratete er die

E.H. Ehefrau, grau, Web

Hedwig Humperdinck,
geb. Taxer, aus Siegburg,
Ehefrau Engelbert Humperdincks

Siegburgerin Hedwig Taxer.

Die Märchenoper Hänsel und Gretel wurde unmittelbar nach der Uraufführung am 23. Dezember 1893 unter Richard Strauss in Weimar zum Welterfolg, der Humperdinck Ruhm und finanzielle Unabhängigkeit brachte. 1897 erfolgte die Uraufführung der ersten Version der Königskinder (Melodram-Fassung) in München, im gleichen Jahr bezog er seinen Wohnsitz im so genannten „Humperdinck-Schlösschen“ in Boppard am Rhein. Humperdinck hielt seiner rheinischen Heimat immer die Treue: Nicht nur durch zahlreiche (Ferien-) Aufhalte in der Rheinisch-Bergischen Region, auch durch den zeitweiligen Wohnsitz in Poppelsdorf. Die Berufung zum Leiter einer Meisterklasse für Komposition an die Königliche Akademie der Künste in Berlin 1900 bedeutete auch den Umzug dorthin. Das Bopparder Schlösschen hielt er als Zweitdomizil noch lange Jahre während seiner Berliner Zeit bei. Zu Humperdincks zweiten großen Welterfolg und Krönung seines Schaffens wurde die Uraufführung der zweiten Fassung der

E.H. Grabstein, grau, Web

Grabstein der Eheleute Humperdinck auf dem “Süd-West-Kirchhof” in Stahnsdorf bei Berlin
(Foto: Gert Janowski, Berlin)

Märchenoper Königskinder am 28. Dezember 1910 – diesmal als Oper, nicht mehr als Melodram ausgeführt. Von 1911 bis zum Eintritt in den Ruhestand 1920 war Humperdinck als Nachfolger von Max Bruch Direktor der Theorie- und Kompositionsabteilung der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin. Als Lehrer hochgeschätzt, unterrichtete er neben Siegfried Wagner unter anderem Carl Schuricht und Leo Blech.

Am 27. September starb er in Neustrelitz, die Beisetzung fand auf dem Waldfriedhof in Stahnsdorf bei Berlin statt.

Humperdinck war in erster Linie ein Bühnen- und Vokalkomponist. Unter seinen Kompositionen ragen die sechs Opern heraus, darunter die Märchenopern Hänsel und Gretel (1893), Königskinder (1897/1910) und Dornröschen (1902), ferner Die Heirat wider Willen (1905), Die Marketenderin

E.H. Adelheit Wette, grau, Web

Adelheid Wette-Humperdinck,
Textdichterin der Märchenoper
 “Hänsel und Gretel”

(1914) und Gaudeamus (1919). Seine frühesten Erfolge waren die Chorballaden, Die Wallfahrt nach Kevlaar (1878) und Das Glück von Edenhall (1879). Den quantitativ größten Teil seines Werkes stellen ca. 100 Lieder für Singstimme und Klavier dar, von denen etwa 80 erhalten sind.

Neben den Vokalwerken stellen die Schauspielmusiken, zumeist für Max Reinhardts Inszenierungen komponiert, einen weiteren Schwerpunkt seines Schaffens dar, u.a. zu Shakespeares Kaufmann von Venedig (1905), Ein Wintermärchen (1905), Der Sturm (1906) und Was Ihr wollt (1907). Daneben entstanden Orchesterwerke (Humoreske, Die Glocken von Siegburg, Maurische Rhapsodie) und, vor allem in frühen Jahren, Klavier- und Kammermusik. Als gefragter Herausgeber veröffentlichte er zahlreiche Kinder- und Volksliedsammlungen.

Humperdincks Schaffen ist von zwei Einflüssen geprägt: Einerseits die traditionelle, aber sorgfältige handwerkliche Konservatoriumsausbildung bei Hiller in Köln und Rheinberger in München, andererseits die Lehrjahre bei Richard Wagner.

E.H. Karrikatur, grau, Web

Engelbert Humperdinck,
auf Postkarte als Familienvater so...

Die Konservatoriumsausbildung wurde zur Grundlage für eine virtuose Beherrschung des Kompositionshandwerks, die sich beispielsweise in der ungewöhnlich polyphonen Durchgestaltung sowie dem filigranen, immer durchsichtigen Orchestersatz seiner Werke zeigt und den großen Melodiker Humperdinck auch als Kontrapunktiker von Rang und Meister der Instrumentierungskunst ausweist. Humperdincks geradezu virtuose Beherrschung des traditionellen Kontrapunkts, die sich in der polyphonen Durcharbeitung fast aller seiner Werke zeigt – er war sicherlich der am konsequentesten polyphon komponierende Musiker seiner Zeit –, erhielt ihren Schliff bei Rheinberger. Der

E.H. m. 2 Kindern, grau, Web

...und als Familienvater im richtigen Leben

Einfluss Wagners ist in der Harmonik und Instrumentier ung sowie in der – wenn auch individuell geprägten – Verwendung der Wagnerschen Leitmotivtech nik erkennbar. Humperdincks Komponieren ist von Volksnähe gekennzeichnet. Ein Großteil des Erfolges und der Wirkung der Werke Humperdincks beruhen auf seiner genialen melodischen Erfindungsgabe: Sein größter Erfolg Hänsel und Gretel zeichnet sich durch eine vom Volkslied ausgehende, in ihrer Einfachheit und Einprägsamkeit echt und kindlich wirkende Erfindung aus. Melodien wie „Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh“, „Ein Männlein steht im Walde“ „Brüderchen, komm tanz mit mir“ oder „Knusper, knusper Knäuschen“ (letztere zwei, wie auch der berühmte „Abendsegen“, sind Originalschöpfungen Humperdincks) wurden zu wahren

E.H. Student, grau, Web

Engelbert Humperdinck,
als Student in Köln und München

Volksliedern. Humperdincks Musik genießt daher mit Sicherheit einen größeren Bekanntheitsgrad als diejenige Bachs, Mozarts oder Beethovens. Auch sein übriges Werk weist entweder volksmusikalische Einflüsse auf oder zeigt das immer mehr zunehmende Bestreben des Komponisten, in volkstümlichem Geiste zu komponieren. Zahlreiche Kinderlieder und volksliednahe Liedkompositionen, insbesondere der letzten Lebensjahre, belegen dieses Bemühen um mit höchster Könnerschaft erzielte musikalische Einfachheit. Die weite Verbreitung seiner volkstümlichen Liedkompositionen wie die Weihnachtslieder oder Am Rhein belegen Humperdincks Gespür für einfache, dabei mit höchster Könnerschaft gestaltete Musik. Die Lieder, obwohl größtenteils Gelegenheitskompositionen, zeigen quasi in Reinkultur Humperdincks besondere Gabe, für die menschliche Stimme zu komponieren, und seine melodische Erfindungsgabe. Dies sichert ihnen einen nachhaltigen Stellenwert in der spätromantischen Liedliteratur.

In der Hinwendung zur Märchenoper mit Hänsel und Gretel, Königskinder und

E.H. alt, grau, Web

Engelbert Humperdinck,
in fortgeschrittenem Alter

Dornröschen und einem Anknüpfen an beziehungsweise einer Rückbesinnung auf die Volkstümlichkeit im Sinne von Mozarts Zauberflöte oder Webers Freischütz fand er einen Weg, aus dem Schatten des übermächtigen Vorbildes Richard Wagner herauszutreten. Aber auch wenn Humperdinck mit seinen Märchenopern weltberühmt wurde, so war sein künstlerisches Ideal die komische Oper (Heirat wider Willen, Gaudeamus, Die Marketenderin): „Entweder Mord und Totschlag oder Operettenblödsinn oder gar zuckersüße Märchen! Es ist gerade, als ob wir fin-de-siècle-Menschen das Lachen Rossinis, Aubers und Lortzings ganz verlernt hätten.“ Er sehnte sich danach, wie er seinen Tagebüchern anvertraute, „auf moderner Grundlage die Schilderung des realen Lebens mit ebenso viel Anmut und behaglichem Humor zu verbinden wie unser guter Lortzing.“

Für die erste Königskinder-Fassung entwickelte Humperdinck eine Technik des Sprechgesangs (Melodram), die sich seinerzeit nicht durchsetzte und heftig kritisiert wurde, die aber im weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts aufgegriffen wurde als Mittel, die Ausdrucksmöglichkeiten der Musik zu erweitern (Schönberg). Auch die Maiahnung aus dem Liederzyklus Junge Lieder ist als Melodram komponiert. Mit dem Melodram entwickelte der Komponist endgültig einen eigenen, vom Vorbild Wagners unabhängigen stilistischen und zukunftsweisenden Weg.

Seine Märchenoper Hänsel und Gretel ist neben Mozarts Zauberflöte die weltweit meistaufgeführt Oper. Begriffe wie „deutsche Heimat“, „deutsches Märchen“ „Weihnachten“ oder „Wald“ sind weltweit unzertrennbar mit dem Namen Humperdincks verbunden. Als legitimer „Nachfolger“ Humperdincks könnte Richard Strauss, der Uraufführungsdirigent von Hänsel und Gretel und Die Heirat wider Willen, gelten mit seiner vergleichbar virtuosen Orchestrierungskunst, melodischen Erfindungsgabe und – in manchen Werken – Volksnähe (Der Rosenkavalier).

E.H. Partitur H u G, grau, Web

Partitur mit dem Vorspiel zu “Hänsel und Gretel” (Wiedergabe der Originalhandschrift).


Nachdem lange Zeit Hänsel und Gretel das nahezu einzige im Musikleben präsente Werk Humperdincks war, mehren sich die Anzeichen für den Beginn einer Humperdinck-Renaissance: Im Rahmen des Bonn-Berlin-Ausgleiches wurde soeben die von der Bundesrepublik Deutschland geförderte Musikwerkstatt Engelbert Humperdinck in Siegburg fertig gestellt. Aus Anlass seines 150. Geburtstages fanden Neuinszenierungen der Königskinder statt (Hagen, München), sein Liedschaffen erscheint in einer wissenschaftlichen Notenausgabe durch die Musikwerkstatt sowie als CD-Einspielung, und auch die Kammermusik wird, ebenfalls von der Musikwerkstatt, sukzessive zugänglich gemacht.

Verfasser: Dr. Christian Ubber, Leiter der “Musikwerkstatt Engelbert Humperdinck” in Siegburg

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